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Radon

Messverpflichtung durch neues Strahlenschutzgesetz

Das  neue Strahlenschutzgesetz setzt mit § 127 die „Messverpflichtung der Radon-222-Aktivitätskonzentration in der Luft in Innenräumen“ des Artikels 54 Absatz 2 der Richtlinie 2013/59/Euratom direkt um. Die Messverpflichtung gilt für Betriebsstätten, die in Radonvorsorgegebieten gelegen sind und Arbeitsplätze im Erd- oder Kellergeschoss zur Verfügung stellen.

Die Verantwortlichkeit für die Arbeitsplätze ist unabhängig von den Eigentumsverhältnissen (z.B. gemietete Räumlichkeiten) dem Betreiber/ Inhaber der Betriebsstätte zugeordnet und ist auch unabhängig von der Zuordnung zum gewerblichen, freiberuflichen, wissenschaftlichen, öffentlichen und sozialen Bereich. Die Art der Beschäftigung (selbständig, abhängig, freiwillig, auszubildend u.a.) spielt hier ebenfalls keine Rolle.

Arbeitsplätze außerhalb von Betriebsstätten sind von den Regelungen nicht erfasst, gemeint sind Arbeitsplätze in Wohnungen, sofern diese keine Betriebsstätte darstellen (Telearbeitsplätze).

Die Radonvorsorgegebiete des Freistaates Thüringen wurden mit der  Allgemeinverfügung des TLUBN zur Ausweisung von Radonvorsorgegebieten im Dezember 2020 veröffentlicht.

Für den Betreiber/ Inhaber einer Betriebsstätte im Radonvorsorgegebiet bedeutet dies, dass er ab diesem Zeitpunkt verpflichtet ist, Messungen von Radon-222-Aktivitätskonzentrationen an betroffenen Arbeitsplätzen mittels einer  anerkannten Messstelle, durchzuführen.

Die Messdauer beträgt 12 Monate. Die Messergebnisse müssen spätestens 18 Monate nach Bekanntgabe der Radonvorsorgegebiete vorliegen, d.h., dass mit den Messungen spätestens bis zum 30. Juni 2021 begonnen werden muss.

Der Verantwortliche für den Arbeitsplatz, also der Betreiber der Betriebsstätte, ist verpflichtet, Dritte (insbesondere Arbeitnehmer anderer Unternehmen in seiner Betriebsstätte) über die Messergebnisse zu informieren.

Kontakt

TLV
Abteilung gesundheitlicher und technischer Verbraucherschutz
Dezernat 21
Karl-Liebknecht-Str. 4
98527 Suhl
Tel.: 0361 57-3814207
Fax: 0361 57-3814398

E-Mail: Dezernat21-Radon

Stufenkonzept zur Reduzierung der Radonkonzentration an Arbeitsplätzen

Die Maßnahmen zum Schutz vor Radon an Arbeitsplätzen sehen ein gestuftes Verfahren vor, damit nur dort Strahlenschutzmaßnahmen ergriffen werden müssen, wo tatsächlich hohe Radonkonzentrationen vorhanden sind. Als Maß dafür dient der über das Jahr gemittelte Referenzwert für die Radon-222-Aktivitätskonzentration (Radonkonzentration) an Arbeitsplätzen von 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft (§126 Strahlenschutzgesetz - StrlSchG).

Ziel des Stufenkonzepts ist es, die Radonkonzentration an Arbeitsplätzen in großer Breite zu reduzieren.

Stufe 1:

Verantwortliche für Arbeitsplätze müssen innerhalb von 18 Monaten nach Festlegung der Radonvorsorgegebiete für Betriebsstätten innerhalb der Radonvorsorgegebiete an Arbeitsplätzen im Keller und im Erdgeschoss Messungen der Radon-222-Aktivitätskonzentration gemittelt über 12 Monate vornehmen (lassen).

Weiterhin sieht § 127 Abs. 1 StrlSchG die Messverpflichtung für Arbeitsplätze in bestimmten Arbeitsfeldern vor (Anlage 8 StrlSchG). Das TLV ist in diesem Fall für die Arbeitsplätze in den Anlagen der Wassergewinnung, -aufbereitung und –verteilung zuständig.

Ende der Stufe: 30.06.2022

FAQ

  • Wer ist der Verantwortliche für Arbeitsplätze?

    Verantwortlich für einen Arbeitsplatz ist, wer in seiner Betriebsstätte eine Betätigung beruflich ausübt oder ausüben lässt. Ebenfalls verantwortlich ist, in wessen Betriebsstätte ein Dritter (z.B. Service- oder Reinigungspersonal) in eigener Verantwortung eine Betätigung beruflich ausübt oder von Personen ausüben lässt, die unter dessen Aufsicht stehen. (§ 127 Abs. 2 StrlSchG). Gegenüber dem Dritten hat er eine Mittteilungspflicht (§127 Abs. 4 Satz 2).

    Der Verantwortliche für den Arbeitsplatz, also der Betreiber/ Inhaber der Betriebsstätte, ist der Normadressat des StrlSchG.

    Die Kosten der Messungen gemäß § 127 StrlSchG trägt der Betreiber/Inhaber der Betriebsstätte.

    Beachte: Bei Neubauten oder Neubezügen von Betriebsstätten in Radonvorsorgegebieten gilt die 18-monatige Frist zur Messung der Radon-222-Aktivitätskonzentration ab dem Zeitpunkt der Einrichtung des Arbeitsplatzes.

  • Wer fällt unter die Messpflicht (Unternehmer ohne Beschäftigte)?

    Die Art der Beschäftigung (selbständig, abhängig, freiwillig, auszubildend u.a.) des Betreibers/ Inhabers der Betriebsstätte spielt keine Rolle.

  • Welche Regelungen gelten in Bezug auf ver- oder angemietete Betriebsstätten?

    Die Verantwortlichkeit für die Arbeitsplätze ist unabhängig von den Eigentumsverhältnissen (z.B. gemietete Räumlichkeiten) dem Betreiber/ Inhaber der Betriebsstätte zugeordnet und ist auch unabhängig von der Zuordnung zum gewerblichen, freiberuflichen, wissenschaftlichen, öffentlichen und sozialen Bereich. Er ist auch verantwortlich für die Beschäftigten Dritter.

    Sind Maßnahmen zur Reduzierung der Radonkonzentrationen in angemieteten Objekten erforderlich, sind diese auf privatrechtlichem Weg zwischen Mieter und Vermieter zu klären.

  • Was ist eine Betriebsstätte?

    Umfasst alle Innenräume, in denen sich Arbeitsplätze befinden.

    Dazu zählen auch Arbeitsplätze in Anlagen gemäß Anlage 8 StrlSchG – hier Anlagen der Wassergewinnung, -aufbereitung und –verteilung.

    Arbeitsplätze außerhalb von Betriebsstätten sind von den Regelungen also nicht erfasst. 

  • Was ist ein Arbeitsplatz (§ 5 Abs. 4 StrlSchG)?

    Der Arbeitsplatz ist demnach jeder Ort, an dem sich eine Arbeitskraft während ihrer Berufsausübung regelmäßig wiederholt aufhält.

  • Ist der Betreiber/ Inhaber der Betriebsstätte für Messung der Radon-Aktivitätskonzentration und möglichen Sanierungsmaßnahmen an einem Telearbeitsplatz verantwortlich?

    Für die Radonbelastung in Privaträumen, also Telearbeitsplätzen (allgemein Homeoffice genannt) ist Folgendes festzustellen:

    Hierbei handelt es sich um Arbeitsplätze in Wohnungen, die keine Betriebsstätte darstellen. Dies bedeutet für Telearbeitsplätze bzw. Corona-bedingtes Homeoffice in der privaten Wohnung, dass es sich zwar um Arbeitsplätze i.S.v. § 5 Absatz 4 StrlSchG handelt, diese jedoch nicht unter die Messverpflichtung aus § 127 Absatz 1 Nr. 1 StrlSchG fallen.

    Im Umkehrschluss ist damit aber auch festzustellen, dass Unternehmer ohne Beschäftigte der Messpflicht unterliegen.

  • Wie wird die Messung nach § 127 StrlSchG durchgeführt?

    Messorte

    Die Messverpflichtung gilt für Betriebsstätten, die in Radonvorsorgegebieten gelegen sind und Arbeitsplätze im Erd- oder Kellergeschoss zur Verfügung stellen, d.h.

    in Räumen deren Außenflächen unmittelbar in Kontakt mit dem Baugrund des Gebäudes stehen (Summe der freiliegenden Flächen sämtlicher Außenwände größer ist als eine Vergleichsfläche von1,40 m mal Gebäudeumfang) oder in Räumen liegen, die unmittelbar über dem Kellergeschoss liegen.

    Was bedeutet beim Begriff Arbeitsplatz „…Arbeitskraft während ihrer Berufsausübung regelmäßig wiederholt aufhält“?

    Im Leitfaden „Radon an Arbeitsplätzen in Innenräumen: Leitfaden zu den §§ 126 - 132 des Strahlenschutzgesetzes“ wird Folgendes ausgeführt:
    Bestimmte Innenräume werden von Arbeitskräften nur sehr selten und kurzzeitig genutzt. Für diese ist unter Berücksichtigung der konkreten Nutzungsart und - dauer – gegebenenfalls unter Einbeziehung der zuständigen Behörde – zu beurteilen, ob eine Messung aus Gründen der Verhältnismäßigkeit verzichtbar ist. Für den Fall eines Verzichtes auf eine Messung sind die Gründe in den Aufzeichnungen zur Durchführung von Messungen darzulegen. Liegen Anhaltspunkte dafür vor, dass erhöhte Expositionen zu erwarten sind, ist eine Messung unverzichtbar.

    Beachte: Da der Verantwortliche für den Arbeitsplatz für alle Arbeitsplätze in Innenräumen verantwortlich ist, sind die Belange der Beschäftigten von Dritten mit in die Messstrategie zu integrieren (z.B. Service- bzw. Reinigungspersonal).

    Wie ermittle ich die Anzahl der Messgeräte?

    Im Leitfaden „Radon an Arbeitsplätzen in Innenräumen: Leitfaden zu den §§ 126 - 132 des Strahlenschutzgesetzes“ wird Folgendes ausgeführt:

    Im einfachsten Fall sind kleinere Gebäude mit Grundflächen bis zu 200 m² betroffen. Hierbei sollte jeder Innenraum, in dem sich ein Arbeitsplatz befindet, mit einem Messgerät ausgestattet werden.
    Bei großflächigen oder komplex aufgebauten Gebäuden kann es angebracht sein, bei der Ermittlung der Bereiche und Aufstellungsorte speziell auf diesem Gebiet ausgebildete Fachkräfte (Mitarbeiter der anerkannten Stellen, Radon-Fachpersonen (Begriff ist nicht zertifiziert)) einzubinden. Außerdem besteht die Möglichkeit Konformitätsbereiche aus angrenzenden Räumen mit Arbeitsplätzen zu bilden, wenn davon ausgegangen werden kann, dass vergleichbare Radonkonzentrationen vorliegen. Für diese Konformitätsbereiche gilt:

    1. Anzahl der Messgeräte je Konformitätsbereich festlegen (mindestens ein Gerät pro Bereich, mindestens zwei Geräte pro Gebäude, mindestens ein Gerät pro 200 m²),
    2. Aufstellorte in den Konformitätsbereichen festlegen (repräsentativ für die Radon-Aktivitätskonzentration des Arbeitsplatzes): geschützt, jedoch nicht in z.B. Vitrinen (geschlossen), 1 bis 2 m über dem Boden, mindestens 20 cm Wandabstand und ausreichend Abstand zu Wärme- (Heizstrahler, Kamin, elektrische Geräte, direkte Sonneneinstrahlung etc.) oder Wasserquellen (Spritzwasser) sowie Quellen von Fettspritzern

    Die Aufstellbedingungen der Messgeräte sollten während der Messzeit nicht geändert werden

    Vorgaben zu normgerechten Messungen gibt DIN ISO 11665-8 (VDE 0493-1-6658):2020-08 Ermittlung der Radioaktivität in der Umwelt- Luft: Radon-222-; Teil 8: Methodik zur Erstbewertung sowie für zusätzliche Untersuchungen in Gebäuden.

    Welche Messgeräte kommen in Frage und wo kann man sie beziehen?

    Bei Verwendung von passiven Messgeräten wird nach Beendigung der Messung (in der Regel nach 12 Monaten) ein Messwert festgestellt. Dieser wird mittels einer separaten Auswertung des Detektors durch eine Messstelle (ANERKANNTE STELLE GEMÄSS § 155 STRAHLENSCHUTZVERORDNUNG) ermittelt. Es kann auch sein, dass Messsysteme ausgegeben werden, die z.B. nur drei Monate messen. In diesem Fall ist die Messstelle dafür verantwortlich, dass eine lückenlose Messwertaufnahme gewährleistet ist.

    Wie lange dauert eine Messung?

    Es ist wichtig zu wissen, dass. Der gesetzliche Referenzwert von 300 Becquerel Radon pro Kubikmeter Raumluft ist ein durchschnittlicher Wert über einen Zeitraum von zwölf Monaten, da die Radonkonzentration in einem Gebäude tages- und jahreszeitlich schwankt. Eine ganzjährige Messung ist also für den Vergleich mit dem Referenzwert am besten geeignet.

    Was kosten die Messungen?

    Allgemein liegen die Kosten für Messung und Auswertung durch die anerkannten Stellen bei 30 bis 50€ pro Messgerät.
    https://www.bfs.de/DE/themen/ion/umwelt/radon/schutz/messen.html

    Sind verkürzte Messzeiten möglich?

    Eine Kurzzeitmessung dauert meist nur einige Minuten bis wenige Tage. Sie liefert eine Momentaufnahme der aktuellen Radonkonzentration am Ort der Messung. Insbesondere Mitarbeiter der Anerkannten Stellen oder Radon-Fachpersonen können sich somit innerhalb kurzer Zeit einen Überblick über die Radonsituation in einem Gebäude verschaffen oder nach Stellen suchen, an denen Radon in ein Gebäude eindringt.

    Die Ergebnisse der Kurzzeitmessungen können stark schwanken, abhängig von der Tages- oder Jahreszeit, den Wetterverhältnissen oder dem Nutzungsverhalten (z. B. Lüften). Aus diesem Grund lassen solche Kurzzeitmessungen keine verlässlichen Rückschlüsse auf die langfristige, durchschnittliche Radonkonzentration in einem Gebäude zu.

    Dieses Szenario kommt aber wahrscheinlich/grundsätzlich nur in Anlagen nach Anlage 8 StrlSchG vor. Generell ist gegen eine Erstbewertung in Vorbereitung einer Messstrategie nichts einzuwenden.

    Hinweis: Messungen sollten immer über die anerkannten Stellen laufen.

  • Mit welchen Sanktionen ist im Nachgang zur Beendigung der Stufe 1 zu rechnen?

    Ordnungswidrigkeitsverfahren sind in § 194 StrlSchG geregelt.

    Diese sind einzuleiten, wenn

    • eine Messung nach § 127 Abs. 1 Satz 1 nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig veranlasst wird sowie
    • Aufzeichnungen zu den Messungen nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig gefertigt, diese nicht oder nicht 5 Jahre aufbewahrt.
  • Was gilt beim Einsatz Dritter in fremden Betriebstätten?

    Im Falle des Einsatzes von Personal eines Dritten in der Betriebsstätte:

    Die Verantwortlichkeit für die Arbeitsplätze ist unabhängig von den Eigentumsverhältnissen (z.B. gemietete Räumlichkeiten) dem Betreiber/ Inhaber der Betriebsstätte zugeordnet und ist auch unabhängig von der Zuordnung zum gewerblichen, freiberuflichen, wissenschaftlichen, öffentlichen und sozialen Bereich. Die Art der Beschäftigung (selbständig, abhängig, freiwillig, auszubildend u.a.) spielt hier ebenfalls keine Rolle. Er ist auch verantwortlich für die Beschäftigten Dritter (z.B. Service- oder Reinigungspersonal). Gegenüber dem Dritten hat er eine Mitteilungspflicht (§127 Abs. 4 Satz 2).     

     

    Im Falle der Verantwortlichkeit des Dritten:

    Auch Dritte, also Firmen, deren Arbeitskräfte Betätigungen in fremden Betriebstätten ausüben, tragen Verantwortung dafür, dass die Arbeitskräfte an den Arbeitsplätzen keinen unzulässig hohen Radonkonzentrationen ausgesetzt sind. Bei Betätigungen wie Behälterreinigungen oder Wartungen von Aggregaten bei Wasserversorgungsunternehmen, Heizungs- und Sanitärbauarbeiten, Innenraumgestaltung oder Gebäudereinigung sind Arbeitskräfte regelmäßig an betroffenen Arbeitsplätzen in Radonvorsorgegebieten oder in Arbeitsfeldern mit erhöhter Exposition durch Radon sind diese verpflichtet, nach Erhalt der Mitteilung der Messergebnisse durch den Verantwortlichen der Arbeitsplätze der betreffenden Betriebsstätten die betreffenden Arbeitskräfte sowie den Betriebs- oder Personalrat über diese zu unterrichten. Bei Überschreitung des Referenzwertes in mehreren Betriebsstätten hat er die Anmeldepflicht der Betätigung nach § 129 Abs. 3 bei der zuständigen Behörde.

     

Das Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz